Delbrück

Durch die große Kampagne soll zum bewussten Umgang mit Wasser angeregt werden. Wasser ist unser Nahrungsmitten Nr. 1 und damit eine wertvolle Ressource. Ca. 98 % der Delbrücker Bevölkerung sind an das öffentliche Wasserversorgungsnetz angeschlossen.

Abgesehen vom Jahr 2017 sind in der vergangenen zehn Jahren zu wenig Niederschläge gefallen. Gerade die Winterniederschlagsmengen sind zurückgegangen, obwohl diese für die Bildung von Grundwasser und somit zur Gewinnung von Trinkwasser elementar wichtig sind.

Es ist notwendig ein Umdenken einzuleiten. Die Gartenbewässerung im Hochsommer ist kritische zu sehen, zumal ein starker Anstieg des Wasserverbrauches in der Zeit zwischen 17.00 Uhr und 22.00 Uhr zu verzeichnen ist, wenn es sowieso schon hydraulisch problematisch ist. Die Herausforderungen durch den Klimawandel und der Blick in die Zukunft sind der Grund für diese Kampagne.

Das Stadtgebiet der Stadt Delbrück umfasst 157,27 km².

Die Topographie ist neben Siedlungsstrukturen, Streusiedlungen und Straßen durch landwirtschaftliche Flächen geprägt. Waldflächen sind nur sehr gering vorhanden.

Der stetige Anstieg der Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Delbrück bedeutet gleichzeitig auch einen Anstieg des Wasserverbrauchs.

Das Wasserwerk der Stadt Delbrück wird als Eigenbetrieb auf der Grundlage der gesetzlichen Vorschriften und der Bestimmungen der Betriebssatzung geführt. Zweck des Eigenbetriebes ist der Betrieb des Wasserwerks zur Versorgung der Bevölkerung mit Wasser.

Die dem Wasserwerk Ostenland angeschlossene Grundwassergewinnung basiert auf einer Brunnengalerie mit zurzeit 10 Vertikalfilterbrunnen. Das gewonnene Rohwasser wird vor seiner Abgabe in die Trinkwasserversorgung der Stadt Delbrück aufbereitet. Zwischen der Rohwasserförderung/-aufbereitung und dem Verteilnetz der Trinkwasserversorgung stehen Trinkwasserspeicher mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 3.285 m³ zur Verfügung. Mit diesen Reinwasserbehältern werden die fluktuierenden Wassermengen für die Versorgungsgebiete Delbrück und Paderborn mit jeweils separaten Transportleitungen vorgehalten, die notwendigen Spülwassermengen für die Filterrückspülungen zur Verfügung gestellt, eine anteilige Feuerlöschreserve und eine betriebliche Reserve für Störungen in der Trinkwasserversorgung sichergestellt.

Die Wasserversorgung der Stadt Delbrück wird über das Wasserwerk Ostenland und einem Fremdwasserbezug aus dem Gemeinschaftswasserwerk Boker Heide Betriebsführungsgesellschaft mbH (Boker Heide) sichergestellt. Neben einer Grundlastabsicherung trägt das Wasserwerk Boker Heide besonders in den Trockenperioden zur Deckung der Tagesspitzenlasten bei.

In den Trockenperioden kann das Wasserwerk Ostenland ohne die Boker Heide Einspeisung die Versorgungsmengen nicht mehr sicherstellen. Zwar ermöglicht der eigene Speicherbehälter ein hohes Maß an Sicherheit, jedoch ist die Fördermenge je Tag im Genehmigungsbescheid auf 8.100 m³/d begrenzt.

In diesem Versorgungsverbund besitzt das Wasserwerk Ostenland mit einem rund 85%igen Anteil der Trinkwasserbereitstellung eine exponierte Stellung; der rd. 15%ige Anteil aus dem Gemeinschaftswasserwerk Boker Heide besitzt grundsätzlich den Charakter einer Grundlastabdeckung. Dieses Wasserwerk Boker Heide verfügt über einen Trinkwasserspeicher von 2.400 m³, welcher nur teilweise zur Spitzenlastabdeckung für das Versorgungsgebiet der Stadt Delbrück eingesetzt werden kann. Im Wesentlichen erfolgt die Spitzenlastabdeckung über die eigenen Trinkwasserspeicher der Stadt Delbrück im Wasserwerk Ostenland.

Zum Versorgungsgebiet der Stadt Delbrück gehören die kleinstädtisch geprägte Kernstadt (Delbrück-Mitte) sowie neun weitere Ortsteile mit dörflichem Charakter (Anreppen, Bentfeld, Boke, Hagen, Lippling, Ostenland, Schöning, Steinhorst und Westenholz).

Außerhalb der Ortskerne befinden sich zahlreichen Einzelhöfe, die vereinzelt über Eigenwasserversorgungen verfügen. Der Anschlussgrad an die öffentliche Versorgung beträgt insgesamt ca. 98 %.

Der jährliche Wasserbedarf im Versorgungsgebiet Delbrück ergibt sich aus dem Verbrauch von folgenden Gruppen:

  • Wohnbevölkerung
  • kleine und mittlere gewerbliche Betriebe, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind
  • Großverbraucher mit den Schwerpunkten Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung.

Maßgeblich ist in Delbrück die Entwicklung der Wasserabgabe geprägt von Mehrabnahmen aus der Landwirtschaft und der Lebensmittelbranche. Erhebliche Auswirkungen auf den Spitzenlastbedarf sind durch den vermehrten Einbau von sog. Zwischenzählern für Gartensprengwasser zu verzeichnen.

Das Wasserwerk Ostenland entnimmt Grundwasser aus einem oberflächennahen Grundwasserleiter. Die Fördermenge beträgt seit vielen Jahren konstant 2.250.000 m³ pro Jahr.

Die 10 Förderbrunnen des Wasserwerkes Delbrück befinden sich gleichmäßig auf dem Wasserwerksgelände verteilt. Trotz des doch recht kleinen Gewinnungsgebietes und der räumlichen Nähe zu einander, weisen die Brunnen unterschiedliche, individuelle Charakteristiken auf.

Brunnenalterungen sind oftmals die Gesamtheit von mehreren Faktoren (auch eisen- und manganverarbeitenden Mikroorganismen), die einen Brunnen in seiner Leistungsfähigkeit negativ beeinflussen und zum Leistungsrückgang führen. Brunnenbetriebszeiten über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahre, wie sie wünschenswert wären, werden im Gewinnungsgebiet des Wasserwerkes Delbrück nicht erreicht.

Wasseraufbereitung

Tauchmotorpumpen mit variablen, energieeffizienten Förderleistungen von bis zu 50 m³/h, fördern das Grundwasser durch Sammelleitungen in die Wasseraufbereitungsanlage des Wasserwerkes.

Um den natürlichen Eisen- und Manganfiltrationsprozess zu beschleunigen, wird das gesamte Rohwasser zunächst mit technisch reinem Sauerstoff aufoxidiert. Die Eisen- und Manganverbindungen im Wasser spalten sich auf und reagieren in einem Oxidator zu festen Eisen- und Manganoxiden (Braunstein), die über Kiesfilter abfiltriert werden.

Die zweistufige Enteisenung-/manganung erfolgt in einer zweistraßigen, redundanten Filteranlage mittels in Reihe geschalteter Mehrschichtdruckfilter. Jeder Filter verfügt über eine Aufbereitungskapazität von 90 m³/h. Die Gesamtreinigungsleistung der Filteranlage ist auf eine Nennleistung von 360 m³/h ausgelegt und kann für die Spitzenbedarfsabdeckung kurzzeitig auf maximal 400 m³/h hochgefahren werden.

Zur pH-Wert-Einstellung wird überschüssige, nicht an Kalk gebundene, Kohlensäure mit Natronlauge neutralisiert. Das Reinwasser befindet sich danach im Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht und gelangt in die Reinwasserkammern. Bedarfsdesinfektionssysteme werden gemäß Trinkwasserverordnung vorgehalten.

Nach der Wasseraufbereitung strömt das Reinwasser in die o.g. Reinwasserkammern. Drehzahlgesteuerte, mehrstufige Kreiselpumpen fördern das Trinkwasser, bedarfsorientiert, mit einem gleichmäßigen Druck von 5,8 bar, durch das über rd. 333 km umfassende Wasserverteilungsnetz an die 8.253 Haushalte (Jahr 2018), landwirtschaftlichen Betriebe und das Gewerbe.

Da das Delbrücker Land kaum geologische Höhenunterschiede aufweist, kann auf Hochbehälter und Druckerhöhungsstationen verzichtet werden. Die tageszeitlich bedingten, unterschiedlichen Abgabemengen werden automatisch durch Zu- bzw. Abschalten der drehzahlgeregelten Netzpumpen gesteuert.

Vereinbarung zwischen Landwirtschaft und Wasserversorgungsunternehmen

Am 28.03.1991 wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Landwirtschaft, vertreten durch die Landwirtschaftskammer Paderborn, und den Wasserversorgungsunternehmen im Kreis Paderborn, vertreten durch die Wasserwerke Paderborn GmbH, auf der Grundlage des 12-Punkte-Programms des Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MURL) geschlossen.

Diese Vereinbarung wurde zum Schutz der Umwelt, hier insbesondere des Grundwassers, ausgehandelt.

Ziel der Kooperation ist es, einen flächendeckenden Gewässerschutz im gesamten Kreisgebiet zu erreichen; vordringlich sollen in den ausgewiesenen Wasserschutz- und Wassereinzugsgebieten die Belange der beteiligten Wasserversorgungsunternehmen wie der Landwirte unter dem Gesichtspunkt der Wasserverträglichkeit und dem Aspekt der ordnungsgemäßen Landbewirtschaftung aufeinander abgestimmt werden.

Die gewässerrelevanten Anforderungen bei der Landbewirtschaftung finden unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Belange Beachtung.

Mögliche diffuse und punktuelle Gefährdungspunkte für Pflanzenschutzmittel und Düngemittel werden erfasst.

Standortspezifische, umweltgerechte Bewirtschaftungsformen im Pflanzenbau und in der tierischen Produktion werden erarbeitet.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der landwirtschaftlichen Praxis werden schnell umgesetzt. Förderungsmöglichkeiten im Bereich des Umweltschutzes werden begründet.

Niederschlagswassermessung

Anhand der jährlichen Niederschlagswassermessungen auf dem Wasserwerk ist zu erkennen, dass seit dem Jahr 2003 Jahre mit unterdurchschnittlichen Regenmengen häufiger auftreten, als Jahre mit überdurchschnittlichen Mengen. Die Mengen des Jahres 2007 wurden durch ein Starkregenereignis im August erheblich beeinflusst. Das Jahr 2017 war bis in den Mai als sehr trocken zu bezeichnen. Erst danach war dieses Jahr durch regelmäßige Niederschlagsereignisse geprägt, so dass auch ein Anstieg der Grundwasserstände zu verzeichnen war.

Gartensprengwasser

Im Dezember 2012 hat das OVG NRW eine veränderte Rechtsauffassung dokumentiert und die Bagatellgrenze für sogenannte Wasserschwundmengen für nicht mehr zulässig erklärt. Dieses Urteil hatte weitreichende Auswirkungen auf das Verbrauchsverhalten in den Sommermonaten.

Wegfall der Bagatellgrenze besagt, dass jeder m³ Wasser, der nachweislich nicht dem Kanalnetz zugefügt worden ist, bei der Schmutzwassermenge abgezogen werden muss. Das bedeutet, dass für das Gartenwasser keine Schmutzwassergebühr zu zahlen ist, wenn eine ordnungsgemäß funktionierende Messeinrichtung vorhanden ist.

Es wurden in Delbrück nach dem Urteil ca. 1.100 Zwischenzähler (für Gartensprengwasser) zusätzlich eingebaut. Die Anzahl dieser steigt stetig weiter.

Privatpersonen, die ihren Garten im Sommer großzügig bewässern, verstärken bei sehr heißen Sommertagen den Spitzenverbrauch, besonders in der Zeit zwischen 17:00 und 22:00 Uhr.

Versorgungsnetz

Bei dem Versorgungsnetz der Stadt Delbrück handelt es sich um ein historisch gewachsenes Netz.

2015 wurde für das Versorgungsnetz der Stadt Delbrück eine Rohrnetzberechnung durchgeführt, um Druckschwankungen und Stagnationszonen zu identifizieren und daraus resultierende Schäden im Versorgungsnetz durch geeignete Maßnahmen zu minimieren.